Der Energielieferant

Jedes Lebewesen braucht Energie, doch keines kann Energie selbst erzeugen. Sie muss von außen zugeführt werden. Wir Menschen decken unseren Bedarf über die tägliche Nahrung. Wenn wir diese Energie bei körperlichen und geistigen Tätigkeiten gezielt einsetzen wollen, müssen wir wissen, wie unser Körper Nahrung in Energie umwandelt. Kohlenhydrate, und ganz besonders Dextrose (auch Traubenzucker oder Glukose genannt), spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Energie-verbrauch

Der unbestrittene Gigant unter den Energieverbrauchern unseres Körpers ist das Gehirn. Kaum vorstellbar, dass unser Denkapparat mit etwa drei Prozent des gesamten Körpergewichts ein regelrechter Zwerg ist, gleichzeitig aber wie eine Turbine Massen an Kraftstoff verbrennt. Denn das Gehirn als übermächtige Schalt-und Denkzentrale muss immer in der Lage sein, eine Flut von Aufgaben zu bewältigen: Es schafft im Vergleich zur Computertechnik unvorstellbare zehn Billionen (eine 1 mit 13 Nullen) analoge Rechenoperationen pro Sekunde. Die größten Konkurrenten unter den anderen Dextrose-Abnehmern sind die Muskeln. Unter körperlicher Anstrengung steigt auch ihr Bedarf rasant an. Im Gegensatz zum Gehirn können sie etwas Dextrose in einer speziellen Form bunkern, allerdings nur für sich selbst.

Dextrose wird dringend benötigt

Unser Gehirn leistet sich einen besonderen Luxus – es deckt seinen Energiebedarf vorzugsweise mit Dextrose. Zudem ist der Bedarf des Gehirns hoch: Es benötigt mehr als die Hälfte der im Körper vorhandenen Dextrose. In Stresssituationen, wenn das Gehirn zur Hochform aufläuft, schöpft es sogar bis zu 90 Prozent ab. Zu solchen Ausschlägen kommt es bei maximalen Anforderungen, wenn man beispielsweise anstrengende Prüfungen zu bewältigen hat. Das Gehirn ist allerdings nicht selbst in der Lage, auch nur kleinste Reserven an Dextrose anzulegen. Nur aus dem Blut und den Speichern, die die Leber anlegt, kann es sich an Dextrose bedienen. Sobald es bei einer drohenden Unterversorgung für Nachschub sorgen muss, geht es nach dem von Prof. Dr. Achim Peters so benannten „Brain-pull-Prinzip“ vor: Es versorgt sich mit so viel Dextrose aus dem Blut, wie es gerade haben möchte, und ignoriert dabei die Ansprüche des restlichen Körpers. Erst wenn es sich sattgegessen hat, dürfen sich auch die anderen Abteilungen unseres Körpers bedienen.

Dextrose-Aufnahme

Besonders schnell vom Körper aufgenommen werden Kohlenhydrate als einzelner Baustein, dem Einfachzucker namens Dextrose, auch Glukose genannt. In vielen Nahrungsmitteln liegt die Dextrose jedoch nicht in dieser freien und leicht aufnehmbaren Form vor, sondern in komplexen Strukturen. Komplex bedeutet, dass sich die einzelnen Bausteine zu Paaren, aber auch zu kurzen und langen Ketten vermählt haben. Man spricht dann von Zweifach- oder Mehrfachzuckern. Zu ihnen gehören so unterschiedliche Zucker wie Malzzucker, Rübenzucker und Stärke. Die Kohlenhydrate aus unserer Nahrung werden im Verdauungstrakt zu einzelnen Bausteinen aufgeschlüsselt – anschließend liegt hauptsächlich der Baustein Dextrose vor. Dieser Umbauprozess braucht jedoch seine Zeit. Die Dextrose gelangt nun über den Dünndarm in den Blutkreislauf. Dort erscheint sie in Form von Blutzucker und wird in unsere Zellen transportiert, wo sie schließlich in Energie umgewandelt wird. Jetzt steht sie für Gehirn und Muskeln zur Verfügung. Dextrose, die nicht sofort gebraucht wird, wird in ihrer Speicherform Glykogen in Muskelzellen und Leber deponiert. Liegt Dextrose hingegen in ihrer reinen Form vor, hat sie freie Bahn direkt ins Blut. Sie passiert die Darmwand ohne Zwischenhalt und ist schon wenige Minuten nach der Aufnahme im Blut nachweisbar. Schneller geht es kaum. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt schnell und signifikant an.

Dextrose-Quellen

Dextrose entsteht in Pflanzen durch Photosynthese: Mithilfe von Sonnenlicht werden aus Kohlendioxid und Wasser jene Kohlenhydrate gebildet, die Pflanzen zum Leben benötigen. So nehmen wir Menschen den größten Teil der Dextrose mit unserer Nahrung auf. Vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Getreide und Gemüse sind Kohlenhydratlieferanten. So wie Obst – daher stammt die umgangssprachliche Bezeichnung Traubenzucker für Dextrose.

Glykämischer Index

Um darstellen zu können, wie schnell und in welchem Maß der Blutzuckerspiegel durch ein Nahrungsmittel steigt, verwendet man den glykämischen Index (GI). Mit 100 hat Dextrose den höchsten GI, geht also sehr schnell ins Blut, während beispielsweise Vollkornbrot einen Wert von nur 40 hat. Seine Kohlenhydrate wechseln deutlich langsamer ins Blut über. Von den Nahrungsmitteln gehört Dextrose zu den schnellsten Lieferanten. Um diese Tatsache zu bestätigen, wurde an der Universität Freiburg, Abteilung Ernährung, Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) der glykämische Index von Dextrose und beispielsweise Bananen verglichen. Das Ergebnis war signifikant: Es ließ sich durch Dextrose also ein vierfach stärkerer Anstieg der Blutzuckermenge als durch die Banane nachweisen.

Dextrose und Diabetes

Wer unter Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit leidet, hat eine gestörte Insulinfunktion. Entweder kann das Insulin den Blutzucker nicht mehr in die Zellen schleusen oder die Bauchspeicheldrüse produziert nicht mehr genug Insulin. In beiden Fällen gerät der Blutzucker auf die schiefe Bahn. Es gibt zwei wesentliche Formen von Diabetes: Bei Typ-1-Diabetikern entwickelt sich die Krankheit in sehr kurzer Zeit und oft schon im Kindes alter. Sie müssen auf jeden Fall Insulin spritzen. Der weitaus größte Teil der Erkrankten aber, etwa 90 Prozent, leidet unter Diabetes Typ 2. Die Ursachen sind meist jahrelange falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht – die typischen Begleiterscheinungen unserer Zivilisation. Weltweit gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsstand eines Landes und der Diabeteshäufigkeit. Der Gesundheit zuliebe müssen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren und stabilisieren. Auf Dauer zu viel Zucker im Blut hat irreparable Schäden zur Folge. Wenn Diabetes festgestellt wurde, sollten dies die ersten Gegenmaßnahmen sein: Ausgewogen und gesund essen und sich regelmäßig bewegen. Schon dadurch gelingt es vielen Betroffenen, den Blutzuckerpiegel ins Lot zu bekommen. Je nach Schwere des Diabetes wird es nötig, blutzuckersenkende Medikamente zu nehmen oder Insulin zu spritzen. Doch dann, wenn medikamentöse Unterstützung zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels nötig wird, droht verstärkt das Risiko einer akuten Unterzuckerung. Sie ist die häufigste Nebenwirkung einer Insulintherapie. Für den Diabetiker oft unbemerkt ist es schnell passiert: Plötzlich ist ein Überangebot an Insulin im Blut, und der Blutzucker wird mit Übereifer in die Zellen geschafft. Als Folge davon sinkt sein Pegel im Blut in gefährliche Tiefen. Manche Diabetiker erkennen die ersten Symptome, die sich in Konzentrations- und Kreislaufstörungen zeigen, nicht rechtzeitig. Ist jedoch das Gehirn erst einmal unterzuckert, muss schnellstens Dextrose zugeführt werden. Deshalb lautet das oberste Gebot: Bei den kleinsten Anzeichen nicht erst Blutzucker messen, sondern augenblicklich aktiv werden und am besten Kohlenhydrate in ihrer reinsten Form als Dextrose aufnehmen. Genau in dieser Form sind sie als Soforthilfe die beste Wahl, denn Dextrose ist besonders schnell am Ziel. Reine Dextrose geht sofort komplett ins Blut und hilft in Minutenschnelle gegen akute Unterzuckerung.